Das Ziel hinter dem Ziel – Wie Unternehmensführer nachhaltige und konfliktfreie Projektziele definieren

In vielen Unternehmen liegt der Fokus auf der klaren und messbaren Definition von Projektzielen. Doch was passiert, wenn das eigentliche Ziel hinter dem Ziel unbeachtet bleibt? Unternehmer und Projektverantwortliche setzen häufig Ziele, die auf messbare Ergebnisse wie Umsatzsteigerung, Effizienzverbesserung oder Kundengewinnung ausgerichtet sind. Dabei bleibt jedoch oft unklar, ob das Ziel den tieferen, langfristigen Interessen des Unternehmens entspricht, und ob es mit den persönlichen Werten und Zielen der Projektbeteiligten in Einklang steht.

Dieser Artikel beleuchtet, wie Unternehmensführer und Projektverantwortliche nicht nur das sichtbare, sondern auch das „verborgene“ Ziel ermitteln können, um langfristig Erfolg zu sichern und innere sowie unternehmerische Konflikte zu vermeiden. Die folgenden Methoden und Ansätze helfen dabei, den tieferen Zweck eines Projekts zu verstehen und abzusichern, dass die gesetzten Ziele mit der Gesamtstrategie und den individuellen Werten harmonieren.

Die betriebswirtschaftliche Perspektive

Eine zielführende betriebswirtschaftliche Analyse schafft Klarheit über die tieferen Motivationen hinter einem Projektziel und bietet zugleich eine Orientierung zur strategischen Integration. Dabei stehen Fragen im Vordergrund wie:

  • Welchen langfristigen Mehrwert bietet das Projekt für das Unternehmen?
  • Passt das Ziel zu den Kernkompetenzen und der langfristigen Vision des Unternehmens?
  • Welches Potenzial bringt das Projekt für die Kundenbindung oder den Marktanteil?

Durch die Analyse dieser Fragen wird das Ziel in einen größeren, strategischen Zusammenhang eingebettet. Dies ermöglicht es, nicht nur kurzfristige Ergebnisse im Blick zu behalten, sondern auch den langfristigen Nutzen und die Nachhaltigkeit des Projekts sicherzustellen. Eine betriebswirtschaftliche Betrachtung ist besonders für Unternehmensführer wichtig, um sicherzustellen, dass die Projektziele das Unternehmen insgesamt stärken und strategisch aufwerten.

EKS – Die Engpasskonzentrierte Strategie

Die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) wurde ursprünglich von Wolfgang Mewes entwickelt und verfolgt das Ziel, begrenzte Ressourcen bestmöglich einzusetzen. Diese Methode richtet sich insbesondere an kleinere und mittlere Unternehmen, die nicht die Möglichkeit haben, auf eine Vielzahl von Ressourcen zurückzugreifen, und daher gezielt und fokussiert agieren müssen.

Die EKS hilft, das Ziel hinter dem Ziel zu ergründen, indem sie folgende Schritte durchläuft:

  1. Engpassanalyse: Hier wird untersucht, welches spezifische Problem oder Bedürfnis den größten Engpass darstellt und wie dieses durch das Projektziel gelöst oder verbessert werden kann.
  2. Ergebnisorientierte Planung: Durch eine klare, problemorientierte Zieldefinition stellt die EKS sicher, dass das Ziel langfristige Lösungen bietet, die den Engpass beheben und Ressourcen gezielt einsetzen.
  3. Orientierung an Kernkompetenzen: Die Strategie betont, dass ein Unternehmen sich auf seine Stärken und spezifischen Fähigkeiten fokussiert. Ziel ist es, durch das Projekt einen Mehrwert zu schaffen, der genau diese Kompetenzen zum Tragen bringt.

Die EKS ermöglicht so eine ganzheitliche Sichtweise auf Projektziele und vermeidet, dass das Unternehmen seine Ressourcen in Ziele investiert, die nicht auf nachhaltige Weise auf den Unternehmenserfolg einzahlen.

Produktentwicklungsstrategie – Das Ziel hinter dem Produkt

Gerade in Projekten, die sich auf Produktentwicklung oder Innovation beziehen, ist es wichtig, das Ziel hinter dem Produkt zu verstehen. Die Produktentwicklungsstrategie hilft, den tieferen Nutzen eines neuen Produkts oder Features zu identifizieren, bevor Entwicklungsressourcen eingesetzt werden.

  • Kundenbedürfnis: Zunächst wird analysiert, welches Bedürfnis oder Problem des Kunden durch das Produkt gelöst werden soll. Dabei geht es darum, die Nachfrage nicht nur oberflächlich, sondern auf einer tieferen Ebene zu verstehen.
  • Langfristiger Produktlebenszyklus: In der Strategie wird der Lebenszyklus des Produkts analysiert, um sicherzustellen, dass das neue Produkt langfristig sinnvoll ist und nicht nur einem kurzfristigen Trend entspricht.
  • Strategische Integration: Die Produktentwicklungsstrategie stellt sicher, dass das neue Produkt zur Gesamtstrategie des Unternehmens passt und auf das langfristige Markenimage einzahlt.

Dieser Ansatz hilft, das „Ziel hinter dem Produktziel“ zu verstehen, also warum das Unternehmen ein bestimmtes Produkt entwickelt und welche langfristigen Effekte es für Kunden und Marke haben soll.

Scrum und die Sprint- Retrospektive: Zielhinterfragung in kurzen Zyklen

In der agilen Welt und speziell im Scrum- Framework ist die Retrospektive eine zentrale Methode, um regelmäßig zu reflektieren, ob die gesetzten Ziele wirklich den gewünschten Mehrwert bringen und in Einklang mit dem Team und den Unternehmenswerten stehen. Am Ende eines jeden Sprints wird in einer Retrospektive evaluiert:

  • Hat das Sprintziel dem übergeordneten Projektziel gedient?
  • Welche Hindernisse wurden identifiziert, die den Projekterfolg langfristig gefährden könnten?
  • Ergibt das Ziel einen langfristigen Nutzen, oder sollte es angepasst werden?

Diese kontinuierliche Hinterfragung sorgt dafür, dass das Team flexibel auf Veränderungen reagiert und das Ziel ständig nachjustiert wird. Besonders hilfreich ist diese Methode, um festzustellen, ob die Projektziele weiterhin mit der Unternehmensstrategie und den Ressourcen übereinstimmen. So können Konflikte frühzeitig erkannt und vermieden werden, und das Projekt bleibt auf Kurs.

Die psychologische Ebene – Persönliche und berufliche Ziele in Einklang bringen

Ein weiterer wichtiger Aspekt, insbesondere für Unternehmensführer und ihre Teams, ist die Übereinstimmung von beruflichen und persönlichen Zielen. Oftmals werden Projekte gestartet, die den beruflichen Anforderungen entsprechen, jedoch persönliche Konflikte hervorrufen können. Hier einige Leitfragen, die helfen können, berufliche und persönliche Ziele abzugleichen und Konflikte zu vermeiden:

  • Gibt es einen inneren Konflikt?: Das Ziel kann möglicherweise beruflich sinnvoll erscheinen, ruft jedoch innere Widerstände hervor. Dies könnte auf eine Diskrepanz zwischen den beruflichen Anforderungen und den persönlichen Werten hinweisen.
  • Sind persönliche und berufliche Ziele im Einklang?: Das Projektziel sollte möglichst auch den individuellen Zielvorstellungen entsprechen oder zumindest keine persönlichen Konflikte verursachen.
  • Gibt es negative Auswirkungen auf persönliche Werte oder Überzeugungen?: Wenn ein Projektziel den persönlichen Überzeugungen oder Werten widerspricht, könnte dies langfristig zu Motivationsproblemen oder innerem Widerstand führen.

Hier lohnt es sich, auf Techniken wie das Werte- Coaching oder Selbstreflexion zurückzugreifen, die helfen können, das Ziel aus persönlicher Perspektive zu hinterfragen und potenzielle Konflikte zu erkennen, bevor sie sich auf die Projektergebnisse auswirken. Eine klare Kommunikation und ein Abgleich der persönlichen mit den beruflichen Zielen schaffen hier Abhilfe.

Fazit: Das Ziel hinter dem Ziel als Erfolgsfaktor

Ein tiefgehendes Verständnis des Ziels hinter dem Ziel führt nicht nur zu besseren Projektergebnissen, sondern vermeidet auch langfristige Konflikte und hilft, die Ressourcen gezielter einzusetzen. Die Kombination aus betriebswirtschaftlicher Analyse, EKS, Produktentwicklungsstrategie und psychologischer Zielüberprüfung ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung und schafft so eine solide Grundlage für nachhaltige und konfliktfreie Projekte. Für Unternehmensführer und Projektverantwortliche ist dies ein wertvoller Ansatz, um sicherzustellen, dass das Projektziel langfristig zum Unternehmenserfolg beiträgt und persönliche Werte respektiert werden.

Autor: Richard Walz