Der Golden Circle: Warum, Wie, Was – Ein Schlüssel zur erfolgreichen Teamführung für Scrum Master

In einer Welt, in der Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit über den Erfolg vieler Projekte entscheiden, ist es entscheidend, dass Teams eine klare Richtung und Motivation haben. Scrum Master stehen oft vor der Herausforderung, Teams zu inspirieren und die notwendige Zusammenarbeit zu fördern. Der sogenannte Golden Circle, ein Modell, das von Simon Sinek entwickelt wurde, bietet dabei eine bewährte Grundlage, um den Kern eines Projekts oder Produkts zu definieren und zu kommunizieren. Das Modell hilft Führungskräften, nicht nur die Aufgaben an sich zu betrachten, sondern auch deren zugrunde liegende Bedeutung zu verstehen und zu vermitteln.

Der Golden Circle: Die Struktur des Modells

Der Golden Circle besteht aus drei konzentrischen Kreisen, die sich jeweils auf ein Kernfragewort beziehen:

  1. Warum? (Why) – Der innerste und wichtigste Kreis beschreibt den eigentlichen Zweck und die Überzeugung, die hinter der Arbeit steht. Warum gibt es dieses Produkt, Projekt oder Unternehmen? Welche Vision oder welches Ziel wird verfolgt?
  2. Wie? (How) – Der mittlere Kreis bezieht sich auf die Art und Weise, wie das Ziel erreicht werden soll. Hier geht es um Methoden, Prozesse und die Einzigartigkeit des Ansatzes, die das „Warum“ greifbar und umsetzbar machen.
  3. Was? (What) – Der äußerste Kreis beschreibt die konkrete Umsetzung: Welche Produkte oder Dienstleistungen werden entwickelt? Welche konkreten Schritte und Ergebnisse stehen an? Dies ist die sichtbare Ebene des Modells.

Sinek argumentiert, dass inspirierende Führungspersönlichkeiten und erfolgreiche Unternehmen nicht beim „Was“ beginnen, sondern beim „Warum“. Sie motivieren, indem sie ein starkes und gemeinsames Ziel vor Augen haben und so die intrinsische Motivation ihrer Teams stärken.

Der Golden Circle im Scrum-Kontext

Für einen Scrum Master ist der Golden Circle ein mächtiges Werkzeug, das dabei hilft, eine gemeinsame Richtung zu etablieren und das Team zur bestmöglichen Leistung zu führen. In Scrum-Teams, die agil arbeiten und sich ständig anpassen, sorgt der Golden Circle für Klarheit und Sinnstiftung, ein wesentlicher Faktor, um Mitarbeiter und Stakeholder langfristig zu motivieren.

Einige praktische Anwendungsbeispiele verdeutlichen dies:

Beispiel 1: Ein neues Feature entwickeln

Stellen wir uns vor, ein Scrum-Team arbeitet an der Entwicklung eines neuen Features für eine App, die Menschen dabei unterstützt, ihre Fitnessziele zu erreichen.

  • Warum: Der Scrum Master könnte dem Team verdeutlichen, dass das „Warum“ hinter diesem Feature ist, Menschen zu mehr Bewegung und Gesundheit zu inspirieren, indem sie ihre Ziele sichtbar machen und sie auf diesem Weg motivieren.
  • Wie: Das Team wird dazu ermutigt, einen benutzerfreundlichen, einfachen Prozess zur Verfolgung der Ziele zu entwickeln, damit es für jeden zugänglich und leicht verständlich ist.
  • Was: Die konkrete Umsetzung könnte in einem neuen „Zieltracker“-Feature bestehen, das sowohl in der App als auch auf der Website verfügbar ist.

Wenn das Team ein klares „Warum“ vor Augen hat, nämlich die Gesundheit und Motivation der Nutzer zu steigern, arbeiten sie mit einer stärkeren Überzeugung und Motivation. Sie erkennen, dass ihre Arbeit einen positiven Einfluss hat, der über die rein technische Umsetzung hinausgeht.

Beispiel 2: Optimierung von Prozessen im Team

Ein weiteres Beispiel könnte der Prozess selbst sein. Nehmen wir an, das Team kämpft mit ineffizienten Meetings, die zu Frust und Zeitverschwendung führen.

  • Warum: Das Ziel (das „Warum“) ist, dass die Meetings produktiver und sinnvoller gestaltet werden, damit sich alle Teammitglieder unterstützt und gehört fühlen.
  • Wie: Das „Wie“ könnte beinhalten, die Agenda zu optimieren, klare Verantwortlichkeiten festzulegen und Techniken wie Timeboxing zu verwenden.
  • Was: Der Scrum Master könnte konkret vorschlagen, dass jedes Meeting mit einem kurzen Check-in beginnt und klare Ergebnisse, Aktionen und Verantwortlichkeiten definiert.

Hier dient das „Warum“ als Leitlinie, um nicht nur die Struktur, sondern auch den Teamgeist zu verbessern und Meetings effizienter zu gestalten.

Anwendung des Golden Circles im Alltag als Scrum Master

Wie können Scrum Master das Wissen über den Golden Circle konkret im Arbeitsalltag einsetzen?

  1. Klarheit schaffen: Der Scrum Master sollte jede Retrospektive oder Planungssitzung mit dem „Warum“ des Projekts oder der Aufgabe beginnen. Es reicht nicht, Aufgaben zu delegieren; vielmehr sollte jedes Teammitglied das übergeordnete Ziel verstehen.
  2. Regelmäßige Reflexion: Der Scrum Master kann das Team regelmäßig dazu ermutigen, das „Warum“ zu hinterfragen und sich zu vergewissern, dass alle weiterhin an einem Strang ziehen. Dies kann bei sinkender Motivation helfen und neue Energie geben.
  3. Team-Workshops zum Golden Circle: Ein Workshop, bei dem das Team gemeinsam die drei Kreise für das aktuelle Projekt entwickelt, kann den Teamzusammenhalt und die Eigenverantwortung stärken. Der Scrum Master moderiert den Workshop und ermutigt das Team, sein eigenes „Warum“ zu finden und zu formulieren.
  4. Fortlaufende Kommunikation: Insbesondere in der agilen Welt, wo sich Anforderungen schnell ändern, sollte der Scrum Master stets das „Warum“ betonen. Jede Änderung oder Anpassung sollte so kommuniziert werden, dass das Team den Zweck und die langfristige Vision versteht.
Fazit: Der Golden Circle als Werkzeug für ein motiviertes und zielorientiertes Team

Der Golden Circle bietet Scrum Mastern ein wirkungsvolles Werkzeug, um Teams zu inspirieren und ein gemeinsames Verständnis für den tieferen Zweck ihrer Arbeit zu schaffen. Gerade in einer agilen Arbeitsumgebung, in der schnelle Anpassungen und hohe Eigenverantwortung gefordert sind, kann das „Warum“ den Unterschied machen. Es motiviert Teams, selbst die komplexesten Herausforderungen mit Überzeugung und Begeisterung anzugehen.

Wenn Scrum Master das „Warum“ vorleben und konsequent kommunizieren, entsteht ein starkes und engagiertes Team, das über die rein technischen Anforderungen hinaus arbeitet und eine echte Wirkung erzielen möchte.

Autor: Richard Walz