Karriereende oder Abstieg: Was tun, wenn die Führungsrolle im Vertrieb nicht mehr gewollt ist?

In der Welt des Vertriebs ist die Führungsposition oft das Ziel, nach dem viele streben. Doch was passiert, wenn man die Spitze erreicht hat und plötzlich merkt, dass diese Rolle nicht das ist, was man sich erhofft hat? Die Entscheidung, die Führungsposition aufzugeben, kann herausfordernd und emotional belastend sein. Dieser Artikel soll Führungskräften im Vertrieb helfen, diese schwierige Phase zu verstehen und sinnvolle Wege aufzeigen, wie man damit umgehen kann.

Die Realität der Führungsrolle: Hoher Druck und veränderte Prioritäten

Als Führungskraft im Vertrieb tragen Sie eine immense Verantwortung. Sie sind nicht nur für die Erreichung von Verkaufszielen verantwortlich, sondern auch für die Motivation und Entwicklung Ihres Teams. Viele Vertriebler stellen jedoch nach einiger Zeit fest, dass der ständige Druck, die Erwartungen zu übertreffen, und der hohe administrative Aufwand den eigentlichen Spaß am Verkaufen überlagern. Hinzu kommen oft private Veränderungen oder ein Wandel in den persönlichen Prioritäten, die dazu führen, dass die Rolle als Führungskraft zunehmend als Belastung empfunden wird.

Praxisbeispiel: Ein Vertriebsleiter in einem mittelständischen Unternehmen erkannte nach mehreren Jahren im Chefsessel, dass die ständige Verantwortung und die vielen Überstunden seine Gesundheit beeinträchtigten. Obwohl er seine Arbeit liebte, merkte er, dass er den direkten Kundenkontakt und das operative Geschäft vermisste. Der Gedanke, seine Position aufzugeben, nagte an ihm, doch die Angst vor einem Karriererückschritt hielt ihn zurück.

Der „Abstieg“ als bewusste Entscheidung

Es ist wichtig zu betonen, dass ein „Abstieg“ von der Führungsrolle nicht automatisch ein Scheitern bedeutet. Vielmehr kann es eine bewusste Entscheidung sein, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu respektieren. Der Begriff „Downshifting“ beschreibt diesen Prozess treffend. Es geht dabei nicht um das Aufgeben einer Karriere, sondern um eine Neuausrichtung, die mehr Zufriedenheit und Balance ermöglicht.

Praxisbeispiel: Die oben genannte Führungskraft entschied sich schließlich, eine Position als Senior-Verkäufer im gleichen Unternehmen anzunehmen. Dadurch konnte er sich wieder auf das konzentrieren, was ihm wirklich Freude bereitete, und gleichzeitig seine umfangreiche Erfahrung im Vertrieb weiter nutzen. Dies führte nicht nur zu einer besseren Work-Life-Balance, sondern auch zu einer erneuten Begeisterung für die Arbeit.

Wie gelingt der Ausstieg aus der Führungsposition im Vertrieb?

Wenn Sie merken, dass die Führungsrolle nicht mehr zu Ihnen passt, sollten Sie diesen Prozess sorgfältig planen:

  1. Selbstreflexion und Zielklärung: Fragen Sie sich ehrlich, warum Sie die Führung abgeben möchten. Geht es um Stress, fehlende Erfüllung oder eine Veränderung der Lebensumstände? Diese Klarheit ist entscheidend für den nächsten Schritt.
  2. Gespräch mit dem Arbeitgeber: Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten vor. Betonen Sie, wie das Unternehmen von Ihrer Entscheidung profitieren kann, z.B. durch Ihre stärkere Fokussierung auf operative Aufgaben oder Ihre Unterstützung bei der Einarbeitung eines Nachfolgers.
  3. Nachfolgeplanung: Unterstützen Sie aktiv die Suche nach einer passenden Nachfolge. Ein fließender Übergang sichert nicht nur den Erfolg des Unternehmens, sondern hinterlässt auch einen positiven Eindruck von Ihnen als Führungskraft.
  4. Neue Rolle definieren: Suchen Sie nach einer Position, die Ihre Stärken nutzt und gleichzeitig den Druck reduziert. Dies könnte eine beratende Rolle, eine Fachkraftposition oder eine Tätigkeit mit weniger direkter Führungsverantwortung sein.
  5. Selbstfürsorge und Weiterbildung: Nutzen Sie die gewonnene Zeit, um in Ihre eigene Weiterentwicklung zu investieren. Fortbildungen, Coaching oder einfach mehr Freizeit können helfen, die neue Lebensphase positiv zu gestalten.

Die Anwendung im eigenen Berufsleben

Wenn Sie sich in der beschriebenen Situation wiedererkennen, können Sie diese Schritte direkt umsetzen. Beginnen Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen Situation. Nutzen Sie Stift und Papier, um Ihre Gedanken und Gefühle festzuhalten. Dies hilft, Klarheit zu gewinnen und den nächsten Schritt zu planen. Erwägen Sie, sich professionelle Unterstützung durch einen Coach oder Berater zu holen, um den Übergang strukturiert und unterstützt zu gestalten.

Fazit: Ein bewusster Schritt in die richtige Richtung

Der Ausstieg aus einer Führungsrolle im Vertrieb ist eine persönliche und herausfordernde Entscheidung. Doch er kann der Beginn einer neuen, erfüllenderen Karrierephase sein. Indem Sie Ihre Prioritäten klären, aktiv planen und den Übergang gut vorbereiten, können Sie diesen Schritt erfolgreich meistern.

Autor: Richard Walz Psychologischer Berater