
In der heutigen schnelllebigen Welt, in der die Anforderungen von Arbeit, Familie und Gesellschaft immer größer werden, ist es entscheidend, sich selbst zu schützen und persönliche Grenzen zu setzen. Das Bedürfnis, alles und jedem gerecht zu werden, kann schnell zu Überforderung, Stress und emotionaler Erschöpfung führen. Abgrenzung bedeutet, sich selbst zu erlauben, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu achten und nicht alles an sich heranzulassen.
Was bedeutet Abgrenzung?
Abgrenzung bezieht sich darauf, gesunde Grenzen in zwischenmenschlichen Beziehungen zu setzen und zu wahren. Es bedeutet, klar zu kommunizieren, was für einen selbst akzeptabel ist und was nicht, und sich nicht für das Wohlbefinden anderer aufzuopfern. Es geht darum, Verantwortung für die eigenen Gefühle und Handlungen zu übernehmen, ohne die Last der Probleme oder Emotionen anderer zu tragen.
Warum ist Abgrenzung wichtig?
Ohne klare Grenzen laufen wir Gefahr, von den Erwartungen und Anforderungen anderer überwältigt zu werden. Dies kann zu Stress, Burnout und einem Gefühl des Verlusts der eigenen Identität führen. Wer sich nicht abgrenzt, nimmt die Probleme und negativen Emotionen anderer auf, was zu innerer Unruhe und emotionaler Erschöpfung führt.
Durch Abgrenzung schützen Sie Ihre mentale Gesundheit und Ihr emotionales Wohlbefinden. Sie lernen, nein zu sagen, ohne Schuldgefühle zu empfinden, und setzen klare Prioritäten in Ihrem Leben.
Praxisbeispiele zur Abgrenzung
Beispiel 1: Berufliche Abgrenzung Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einem Team und Ihr Kollege bittet Sie ständig um Hilfe bei Aufgaben, die nicht in Ihren Verantwortungsbereich fallen. Dies könnte dazu führen, dass Ihre eigene Arbeit leidet und Sie sich überlastet fühlen. Eine gesunde Abgrenzung wäre in diesem Fall, höflich aber bestimmt abzulehnen: „Ich würde dir gerne helfen, aber ich muss mich auf meine eigenen Aufgaben konzentrieren, um meine Deadlines einzuhalten.“
Beispiel 2: Familiäre Abgrenzung In einer familiären Situation kann es vorkommen, dass Eltern von ihren erwachsenen Kindern erwarten, dass sie regelmäßig zu Besuch kommen und alle Bedürfnisse erfüllen. Wenn dies zur Belastung wird, ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen, z.B.: „Ich liebe es, Zeit mit euch zu verbringen, aber ich brauche auch Zeit für mich. Lassen wir uns feste Termine für unsere Besuche vereinbaren, die uns allen passen.“
Beispiel 3: Emotionale Abgrenzung Stellen Sie sich vor, ein Freund oder eine Freundin nutzt Sie regelmäßig als Ventil für seine/ihre negativen Emotionen. Das Zuhören kann auf Dauer anstrengend und emotional belastend sein. Eine Möglichkeit der Abgrenzung könnte sein, ein Gespräch darüber zu führen: „Ich verstehe, dass du viel durchmachst, aber ich fühle mich überfordert, wenn ich ständig deine Sorgen anhören muss. Vielleicht könnten wir darüber sprechen, wie wir beide damit besser umgehen können.“
Wie Sie das Wissen anwenden können
Selbstabgrenzung erfordert Selbstreflexion und Übung. Hier sind einige Schritte, die Sie in Ihrem Alltag anwenden können:
- Selbstreflexion: Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit, um über Ihre Grenzen nachzudenken. Was fühlt sich für Sie richtig und was unangenehm an? Welche Situationen belasten Sie besonders?
- Kommunikation: Üben Sie, Ihre Bedürfnisse klar und respektvoll zu kommunizieren. Beginnen Sie mit kleinen, weniger konfliktreichen Situationen, um sich daran zu gewöhnen, „Nein“ zu sagen.
- Selbstfürsorge: Lernen Sie, sich selbst an erster Stelle zu setzen, ohne sich egoistisch zu fühlen. Planen Sie regelmäßige Auszeiten ein, um Ihre Batterien aufzuladen.
- Professionelle Unterstützung: Wenn es Ihnen schwerfällt, Grenzen zu setzen, kann es hilfreich sein, professionelle Unterstützung in Form von Coaching oder Therapie in Anspruch zu nehmen.
- Grenzen testen: Testen Sie Ihre Grenzen in verschiedenen Situationen und beobachten Sie die Reaktionen. Sie werden feststellen, dass Menschen in der Regel positiv auf Klarheit reagieren und es respektieren, wenn Sie sich abgrenzen.
Indem Sie diese Strategien regelmäßig anwenden, können Sie lernen, Ihre Energie zu schützen, Ihre Beziehungen zu verbessern und mehr inneren Frieden zu finden. Abgrenzung ist ein essenzieller Schritt zu einem gesünderen, erfüllteren Leben.
Autor: Richard Walz Psychologischer Berater